Nr. 1211
Die Polizei Berlin führte in den vergangenen drei Tagen Verkehrssonderkontrollen mit dem Schwerpunkt „Drogenerkennung im Straßenverkehr“ an drei Orten im Stadtgebiet durch. Die Schwerpunkteinsätze fanden im Rahmen der 7. Berliner DiS-Tage vom 15. bis 17. September 2026 auf der Straße des 17. Juni in Tiergarten, in der Puschkinallee in Alt-Treptow sowie in der Karl-Marx-Allee in Mitte statt. Seit 2020 stehen bei der jährlich initiierten Aktion der Polizei Berlin neben der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten auch die Fortbildung von Einsatzkräften, der Erfahrungsaustausch sowie die Vernetzung mit zusammenarbeitenden Behörden im Vordergrund. Zudem wurden Verkehrsteilnehmende zu Risiken von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr sensibilisiert und vor allem in Bezug auf die Legalisierung von Cannabis über die geltende Rechtslage aufgeklärt.
Rund 120 Kräfte – darunter auch Beamtinnen und Beamte des Hauptzollamts, der Polizei Brandenburg sowie der beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten angegliederten Fahrerlaubnisbehörde – waren im Einsatz. Seitens der Polizei Berlin waren neben Polizistinnen und Polizisten aus den Abschnitten, Einsatzhundertschaften und Begleitschutz- und Verkehrshundertschaften sowie des Verkehrssicherheitsdienstes, eine Technische Einsatzeinheit, Dokumentenprüfende und Spezialisten für Betäubungsmittel und Toxikologie aus dem Bereich des Kriminaltechnischen Instituts beim Landeskriminalamt, fachliche Berater des Arbeitsgebiets Interkulturelle Aufgaben, die Polizeiakademie und eine Diensthundeführereinheit an den Einsätzen beteiligt. Darüber hinaus führten erstmals Honorarärzte die Blutentnahmen in einem Zelt unmittelbar am Kontrollort durch.
Ausgewählte Sachverhalte
Am Mittwoch wurde bei der Verkehrssonderkontrolle in der Puschkinallee ein Fahrschüler überprüft, der im Rahmen seiner laufenden Fahrausbildung mit seinem Fahrlehrer unterwegs war. Ein Drogenvortest in Form einer Urinprobe fiel positiv aus. Daher musste sich der 18-Jährige einer Blutentnahme unterziehen. Die ebenfalls anwesenden Dienstkräfte der Fahrerlaubnisbehörde erhielten hiervon Kenntnis.
Am selben Kontrolltag sollte nach dem Verdacht einer Trunkenheitsfahrt einem Mann Blut entnommen werden. Im Ärztezelt, in dem die Blutentnahmen durchgeführt wurden, widersetzte sich der 29-Jährige dieser Maßnahme durch Einnehmen einer versteifenden Haltung. Anschließend schlug und trat er zwei Polizisten und beleidigte diese. Mittels einfacher körperlicher Gewalt und Festlegetechnik konnte schließlich die Blutentnahme erfolgreich durchgeführt werden. Die angegriffenen Beamten erlitten leichte Armverletzungen, konnten jedoch ihren Dienst fortsetzen.
Bei der dritten Verkehrskontrolle am Donnerstag in Mitte stellten die Einsatzkräfte zwei Täuschungsversuche im Rahmen der Urinprobe fest. Die beiden Betroffenen versuchten diese zu manipulieren, indem sie blau gefärbtes Wasser aus den mobilen Toilettenkabinen in den Urinbecher füllten. Für beide ging es anschließend in das Ärztezelt zur Blutentnahme.
Ebenfalls am Donnerstag gestand eine Autofahrerin noch vor der Durchführung eines freiwilligen Drogenvortests ein, Kokain konsumiert zu haben. Im weiteren Verlauf holte die 24-Jährige ein Behältnis aus ihrem BH, in dem sich ein Mikroreagenzglas mit augenscheinlichem Kokain, eine Druckverschlusstüte mit augenscheinlichem Speed und ein Strohhalm befanden. Bei der anschließenden, freiwillig von der Frau gestatteten Durchsuchung des Autos fanden die Einsatzkräfte mehrere Mikroreagenzgläser mit unterschiedlichen Substanzen und eine Papiertüte mit mutmaßlichem Haschisch und Cannabis. Weitere Ermittlungen erhärteten den Tatverdacht des unerlaubten Betäubungsmittelhandels in Form eines Lieferdienstes gegen sie und ihren 25 Jahre alten Beifahrer. Die Kräfte durchsuchten die beiden Tatverdächtigen, fanden Bargeld und Smartphones und beschlagnahmten alles. Nachdem der 24-Jährigen Blut entnommen wurde, erwirkten die Beamten einen Beschluss für eine Wohnungsdurchsuchung bei dem Beifahrer.
Diese verlief erfolglos. Bei der freiwillig von der Fahrerin gestatteten Durchsuchung ihrer Wohnung übergab sie den Einsatzkräften dort zwei Filmdosen mit Amphetamin und zwei Mikroreagenzgläser mit Ketamin. Weitere Beweismittel wurden nicht gefunden. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde das Duo entlassen.
Bilanz
Insgesamt wurden 1330 Fahrzeuge und 1366 Personen überprüft. 25 Fahrzeuge wurden zur Erstellung eines technischen Gutachtens und zwei weitere zum Zwecke der Eigentumssicherung sichergestellt. Gegen 68 Personen ordneten die Kräfte Blutentnahmen wegen des Einflusses von berauschenden Mitteln an. Bei den letztjährigen Berliner DiS-Tagen waren es noch 44 Blutentnahmen, was in diesem Jahr einer Zunahme von 54,55 Prozent entspricht.
Weiterhin wurden folgende Verfahren eingeleitet:
- 66-mal Führen von Kfz unter Betäubungsmitteleinfluss
- 24-mal Fahren ohne Fahrerlaubnis
- sieben Verstöße gegen das Waffengesetz
- fünf Verstöße gegen das Kraftfahrzeugssteuergesetz
- vier Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz
- drei Urkundenfälschungen
- drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz
- zweimal unerlaubter Aufenthalt im Bundesgebiet
- ein Verstoß gegen das Cannabisverbot für Fahranfängerinnen und Fahranfänger
- eine Trunkenheit im Straßenverkehr
- ein Verkehrsunfall
- ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte
- ein Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte
- eine Beleidigung
- eine Ordnungswidrigkeit
- 208 Verkehrsordnungswidrigkeiten.
Darüber hinaus fertigten die Einsatzkräfte 42 Berichte aufgrund technischer Mängel und trafen 13 Fahrzeugführende an, die entweder den erforderlichen Führerschein oder andere vorgeschriebene Dokumente nicht mitführten.