Nr. 1252
An den kriminalitätsbelasteten Orten (kbO) ist eine hohe Anzahl von Straftaten feststellbar, die das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen. Dies gilt insbesondere für Gewaltvorfälle. Verglichen zur Gesamtfläche Berlins ist ein sehr kleiner Teil der Stadt als kbO eingestuft. Die Polizei Berlin setzt alles daran, mit den vorhandenen Ressourcen ein hohes Maß an Sicherheit für alle Menschen unserer Stadt zu gewährleisten. Die derzeit als kbO eingestuften Flächen befinden sich alle im räumlichen Zuständigkeitsbereich der Direktion 5 (City).
Vor diesem Hintergrund führt die Polizei Berlin als Pilotprojekt den phasen- und testweisen Einsatz von KI-gestütztem Videoschutz an kbO ein. Mit dem KI-gestützten System sollen sicherheitsrelevante Ereignisse frühzeitig erkannt und eine schnellere Reaktion bei Gewalt- und Schadensvorfällen im öffentlichen Raum ermöglicht werden. Zudem soll das System eine gezielte und personaleffiziente Einsatz- und Kräftesteuerung unterstützen.
Iris Spranger, Senatorin für Inneres und Sport: „Mit diesem Projekt stärken wir die Innere Sicherheit in Berlin. Besonders in politisch schwierigen Zeiten ist es wichtig, diesen Weg unbeirrt weiterzugehen. Unsere Polizei braucht moderne Technik, klare rechtliche Befugnisse und die personellen Voraussetzungen, um Gefahren frühzeitig erkennen und die Bürgerinnen und Bürger schützen zu können. Wir müssen unsere Sicherheitsbehörden weiterhin stärken, ihnen Rückhalt und moderne Möglichkeiten wie den KI-gestützten Videoschutz geben, damit sie auch in Zukunft für die Sicherheit aller sorgen können.“
Dr. Barbara Slowik Meisel, Polizeipräsidentin: „Die Polizei Berlin steht vor der Herausforderung, mit begrenzten personellen Ressourcen das notwendige hohe Maß an Sicherheit gewährleisten zu können. Gleichzeitig sehen wir uns insgesamt mit einer wachsenden Anzahl von Aufgaben konfrontiert, die unsere Einsatzkräfte tagtäglich bewältigen müssen. Nur mit dem Einsatz moderner Technologien wird es uns in der Zukunft gelingen, den Schutz der Menschen in dieser Stadt zu gewährleisten.“
Nachdem der Zuschlag an einen deutschen IT-Dienstleister (adesso SE) erteilt wurde, wird nun die technische Projektrealisierung ebenfalls mit einem deutschen Technologieunternehmen (Staige) umgesetzt.
Das Videoschutzsystem arbeitet mit sogenannter semantischer KI und räumlicher KI (Spatial AI). Das heißt: Statt einzelne Personen und ihre Bewegungen zu bewerten, analysiert die semantische KI den Zusammenhang einer gesamten Situation und ihren Kontext. Sie erkennt nicht nur, dass sich etwas bewegt, sondern wie sich etwas zueinander verhält. Durch Spatial AI kann das Videoschutzsystem die Position, Bewegung und den räumlichen Zusammenhang einzelner Objekte im Kamerabild verstehen. Dadurch erkennt das System zum Beispiel, ob eine Person stürzt oder ob ein Fußball getreten wird. Auf diese Weise werden weniger Fehlhinweise durch alltägliche Bewegungen, E-Scooter oder Schattenwürfe generiert.
Die Funktionsweise des Systems ist mit einem aufmerksamen Bürger vergleichbar, der eine Gefahr erkennt und sich dazu entschließt, die „110“ zu wählen und einen Hinweis zu geben. Eine Polizeikraft bewertet in beiden Fällen die Informationen und entscheidet über die zu treffenden Maßnahmen.
Der Hinweis erfolgt bei dem KI-System über einen grundsätzlich inaktiven/schwarzen Bildschirm, der nur im Fall eines von der KI erkannten Ereignisses aktiviert wird (Anlassbetrieb). So können Gewaltsituationen und Schadensfälle im öffentlichen Raum automatisiert erkannt und an eine Polizistin oder einen Polizisten als menschliche Entscheidungsperson weitergegeben werden. Das Grundprinzip ist: Die KI meldet, der Mensch entscheidet.
Die Umsetzung ist in mehreren Phasen vorgesehen. Begonnen wird am kbO Kottbusser Tor. Dort startet ab sofort die Konfigurationsphase der Kameras, während der insbesondere die Kamerawinkel festgelegt und das System technisch feinjustiert werden. Im Anschluss an diesen rund vierwöchigen Prozess soll mit einem Testbetrieb gestartet werden. Die wesentlichen Akteurinnen und Akteure am Kottbusser Tor sind bereits über das Projekt informiert worden.
Nach aktuellem Stand sind auch weitere Standorte für den KI-gestützten Videoschutz vorgesehen: zunächst der kbO Warschauer Brücke, gefolgt vom kbO Alexanderplatz und anschließend vom kbO Görlitzer Park/Wrangelkiez.
Die Realisierung des Projektes erfolgt auf klarer gesetzlicher Grundlage und stützt sich auf das Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz Berlin (ASOG) – unter anderem die Datenerhebung durch Videoaufzeichnungen sowie die automatisierte Analyse von Bildern mittels KI-Modellen. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte findet bei der technischen Umsetzung uneingeschränkte Berücksichtigung. Sensible Bereiche wie Hauseingänge oder Fensterfronten werden durch geeignete technische Möglichkeiten unkenntlich gemacht.
Weiterführende Informationen:
Auf der Landingpage finden die Berlinerinnen und Berliner umfassende Informationen zum Einsatz und zur Funktionsweise des KI-gestützten Videoschutzes in Berlin.